Montag, 24. Juli 2017

Untröstlich Trauernde

Gebrochene Lanze

Sloterdijk erwähnt, Derrida habe hinsichtlich der Unterscheidung von Trauer und Melancholie eine Lanze für die Untröstlichkeit gebrochen. Während die Trauer darauf hinarbeite, zu guter Letzt über den Verlust hinwegzukommen, halte die Melancholie die Wahrheit am Leben, wonach jedes verlorene Menschenleben darauf Anspruch habe, als unbewältigbarer Verlust empfunden zu werden. In pragmatischer Hinsicht sei begreifbar und tröstlich, daß das Leben weitergeht, metaphysisch sei es ein Skandal. Nimmt man hinzu, daß Trauer gern mit der unsäglichen Vokabel der Aufarbeitung gekoppelt und gar zu der vollends unsäglichen Vokabel der Trauerarbeit verschmolzen wird, können wir dem Dichter für die beeindruckende Parade unbeeindruckt Untröstlicher in seinem Werk nur von ganzem Herzen dankbar sein.

Mittwoch, 19. Juli 2017

Schöner Wohnen

Gattungsbegriffe

Die Schwindel.Gefühle und die Ringe des Saturn sind nicht mit einem literarischen Gattungsbegriff versehen. Die einzelnen Teile der Ausgewanderten sind als vier lange Erzählungen eingestuft. Tatsächlich sind sie von sehr unterschiedlicher Länge, nach russischer Gepflogenheit wären Selwyn und Bereyter als Rasskasy, Erzählungen, Adelwarth und Aurach als Powesti, Langerzählungen oder Kurzromane, zu klassifizieren. Austerlitz ist als Roman ausgewiesen. Im Gespräch hat der Autor sein Werk von allen Gattungsbegriffen befreit und als Prosa unbestimmter Art deklariert.

Bis heute ist es schwierig, den Roman eindeutig zu definieren, da er zum einen in der antiken Diskussion über literarische Formen nicht erwähnt wird und zum anderen viele unterschiedliche Einflüsse auf die Romanproduktion einwirkten und bis heute weiter einwirken. Daraus resultieren zwei für die Definition des Romans wichtige Grundannahmen. In der Romantheorie wird der Roman erstens als Synthese verschiedener Gattungen aufgefaßt, da es außer dem Prosakriterium kaum formale Vorgaben gibt und daher andere ästhetische Muster leicht zu integrieren sind. Und zweitens ist der Roman aufgrund seiner Offenheit gegenüber anderen Formen und Genres einem stetigen Wandel unterworfen, der bis in die Gegenwart andauert und noch nicht abgeschlossen ist: Vertrauen wir dieser offenen und flexiblen Definition – und schließlich hat uns Herrndorfs Romanheld Tschick versichert, bei Wikipedia fände man immer das Richtige – können wir getrost auch die beiden ungetauften Bücher dem Romangenre zuschlagen. Es gibt daneben aber auch Definitionen, die ganz anders ansetzen, Aragon etwa: Q’est-ce le roman? Un monde où je peux habiter. Um in der Welt zu wohnen, braucht man ein Haus, und jeder hat andere Vorstellungen vom schöneren Wohnen, so daß wir auf dieser Grundlage bei den Lesern zu sehr unterschiedlichen Inventarlisten kommen. Viele werden auf die thematische Erfassung eines trauten Ambiente setzen, der von Schwindelgefühlen geplagte Dichter thematisiert traute Heime allenfalls als verlorenen Heime, eine neue Heimstatt richtet er uns in der Sprache ein Zelt, ein Haus, ein Palast aus feinen, glatten Segeltüchern, alyje parusa, zwischen den Hölzern sauber gezogen, Handarbeit für die Ewigkeit, jedem Windstoß gewachsen.

Dienstag, 18. Juli 2017

Wohnstuben

Willkür der Erinnerung

Auf die Wohnung in W. und vor allem auf das Wohnzimmer, in dem er seine Kindheit verbracht hat, schaut der Erzähler mit Vorbehalten, aber mit aller Klarheit und Detailfreude zurück: ein massiver Wohnzimmerschrank, in dem die Tischdecken und vieles mehr aufbewahrt wurde; eine Kredenz, auf welcher eine in seltsamen Farbtönen lasierte irdene Bowle und zwei Blumenvasen symmetrisch angeordnet waren, ein ausziehbarer Eßtisch mit sechs Sesseln; eine Couch mit einem Sortiment handgearbeiteter Kissen; zwei kleine Alpenlandschaften in schwarzlackierten Rahmen, ein Rauchtischchen mit Zigarren- und Zigarettendosen; Vorhänge und Stores, Deckenleuchte und Stehlampe und diverse Zimmerpflanzen. Was immer der Heranwachsende in der Fremde vermißt haben mag, als er beizeiten das Elternhaus verlassen hatte, das Wohnzimmer mit den genannten Einrichtungsgegenständen war es nicht, gleichwohl oder auch gerade wegen der inneren Distanz hat er es mit photographischer Genauigkeit vor Augen.

Aurach dokumentiert das elterliche Wohnzimmer der Einfachheit halber mit einer Photographie und erspart sich so weitere Worte. Im Traum war er durch eine mit erstaunlicher Kunstfertigkeit gemalte trompe-l'œil-Türe in ein tief verstaubtes, seit Jahren offenbar nicht mehr betretenes Kabinett gelangt, das er nach einigem Zögern erkannte als das Wohnzimmer seiner Eltern. Wer hat das dazu passende Photo eingestellt, hatte Aurach es aus seinem Archiv beigesteuert oder hat der Erzähler ein ihm als passend erscheinendes Bild hinzugetan? Aurach geht auf das Bild nicht weiter ein und widmet seine Aufmerksamkeit dem ein wenig seitwärts auf dem Kanapee sitzenden Herrn zu, der als Traumgestalt naturgemäß auf dem Bild nicht zu sehen ist. Herr Frohmann, gebürtig aus Drohobycz mit einem Modell des Tempels Salomonis auf dem Schoß. Man müßte in den Sklepy cynamonowe, den Zimtläden des Bruno Schulz nach Frohmann suchen. Auch Hamburger kehrt im Traum in die elterliche oder auch die großelterliche Wohnung zurück, Traumfetzen aus der Vergangenheit mischen sich mit gegenwärtigen. Zögernd tritt er über die Schwelle, und schon weiß er nicht mehr, wo er ist. Es braucht in der Traumzeit wohl eine Stunde und mehr, bis er begreift, daß er sich nicht in dem Haus in Middleton befindet, sondern in der weitläufigen Wohnung der Eltern der Mutter in der Bleibtreustraße. Und jetzt ist hier alles versammelt, die Berliner Verwandtschaft, die deutschen und die englischen Freunde, seine Schwiegerleute, seine Kinder, die Lebendigen und die Toten. Vom Fenster aus erblickt er in der Ferne eine schlesische Gegend. This is Myslowitz, a place somewhere in Poland, hört er seinen Vater sagen.

Als der Erzähler in jungen Jahren die elterliche Wohnung verläßt, verbleibt sie ihm wie eine im Gedächtnis abgelegte und dort jederzeit abrufbare Akte. Für Aurach und Hamburger war der Auszug aus der elterlichen Wohnung gleichbedeutend mit der Zerstörung des bisherigen Lebens und zugleich begann die schleichende Zerstörung der Erinnerung, die doch besonders gefragt gewesen wäre. Nur undeutliche Traumbilder steigen auf. Was man eher vergessen will, kann man nicht vergessen, und was man als einen Schatz im Gedächtnis behalten möchte, vergißt man. Vielleicht ist es aber auch nur eine bloße und unberechenbare Willkür des Vergessens und Erinnerns. Hinter dem Vergessen tauchen slawische Orte auf, Drohobycz, Myslowitz, so als habe man heimgefunden in ein verheißenes Land jenseits der Erinnerung und des Vergessens. Selwyn stammt wahrhaftig aus der Gegend von Grodno, die Wohnung hat er nur noch im ausgeräumten Zustand vor Augen, besser erinnert er sich an den Cheder.

Sonntag, 16. Juli 2017

Morituri

Almost a pauper

Als siebenjähriger Knabe ist Selwyn mit seinen Eltern und Geschwistern aus Litauen ausgewandert, als alter Mann erschießt er sich in England. Bereyter ist nicht dauerhaft aus Deutschland ausgewandert, er legt sich als alter Mann nahe seines deutschen Heimatortes vor den Zug. Adelwarth ist aus Deutschland nach Amerika ausgewandert und läßt sich als alter Mann in einem Sanatorium in Ithaca planmäßig zu Tode therapieren. Aurach ist aus Deutschland nach England ausgewandert, schon im fortgeschrittenen Alter, mit einem Lungenemphysem in das Whitington Hospital eingeliefert, gibt er zu verstehen, er empfinde seinen Zustand als schandbar und werde ihm möglichst bald entkommen auf die eine oder andere Weise.

Bereyters und Aurachs Lebensschicksal ist von der Naziherrschaft unmittelbar betroffen, das erlaubt, so die verbreitete Meinung, die Ausgewanderten, wie Austerlitz, der Holocaustliteratur zuzuschlagen. Die Ringe des Saturn, mögen sie auch ihren Schauplatz nach Asien, Afrika und anderswo verlegen, können unter anderem wegen der Heringssymbolik - Güterwagen bringen den ruhelosen Wanderer des Meeres an die Stätten, wo sich sein Schicksal auf dieser Erde endgültig erfüllen wird - ebenfalls zum dunklen Kapitel hinzugenommen werden, so daß allein die Schwindel.Gefühle dem restlichen Weltgeschehen vorbehalten wären. Aber geht es wirklich um Symbolik und nicht doch um den Hering, ist doch allem, den Hauptdarstellern und den Komparsen, den Vögeln am Himmel und den Fischen im Wasser, dem grün bewegten Wald und jedem einzelnen Blatt dieselbe, durch nichts geschmälerte Daseinsberechtigung zugesprochen.

In den zwanziger und dreißiger Jahren, so Selwyn, hätten seine Frau und er im großen Stil gelebt und dabei ihr Vermögen praktisch verbraucht. Seine Frau habe den nicht ganz unbeträchtlichen Rest ihres Vermögens gut bewirtschaftet und könne inzwischen wieder als reich gelten, er hingegen sei almost a pauper. Er wisse immer noch nicht, was sie auseinandergebracht hätte, das Geld oder einfach das Wenigerwerden der Liebe. In den Pflanzen und den Tieren habe er inzwischen fast seine einzige Ansprache. Eigentlich aber scheint er damit recht zufrieden zu sein, ein benennbarer eindeutiger Grund oder Anlaß für den Suizid ist nicht auszumachen. Auch bei Bereyter und Adelwarth sind keine klaren Gründe zu erkennen, eher eine graue allgemeine Lebenserschöpfung. Der Tod hat immer das letzte Wort, allem und jedem ist über eine bestimmte Frist hinaus die Daseinsberechtigung abgesprochen, ist da der Suizid überhaupt als erklärungsbedürftige Aberration anzusehen? Dem Erzähler ist es jedenfalls, als ihm die Nachricht vom Tod Selwyns übermittelt wurde, nicht schwergefallen, sein anfängliches Entsetzen zu überwinden. Bei Aurach ist eine heroische Ethik erkennbar, die doch eigentlich - wohl dem Land, das keine Helden braucht - als überwunden gilt. Austerlitz kann im übrigen nicht zu den Morituri gezählt werden, nicht mehr jedenfalls als wir alle, die wir noch leben. Am Ende des Buches macht er sich auf die Suche nach dem Vater, seiner eigenen Vergangenheit, aber auch auf die Suche nach Marie de Verneuil, seiner Gegenwart und Zukunft.

Donnerstag, 6. Juli 2017

Themenwahl

Sujet traité, thème inconscient

Niemals kann das sujet traité, sujet conscient, Träger der künstlerischen Wahrheit sein kann, sondern immer nur les thèmes inconscients, les archétypes involontaires, où les mots, mais aussi les couleurs et les sons prennent leur sens et leur vie: wohl kein Prosawerk hätte Deleuze nachhaltiger in dieser Auffassung bestätigen können als dasjenige Sebalds. Mehr noch als für seine anderen Bücher gilt das für die Schwindel.Gefühle, fast könnte man meinen, das Buch käme ganz ohne sujet traité und sujet conscient aus. Man wird nicht unterstellen wollen, das Buch sei im Zustand der Bewußtlosigkeit geschrieben worden, aber der Dichter hat wohl mehr nach innen gelauscht als nach außen geschaut. Er hört und sieht, wie der Jäger Gracchus und andere Jäger sich von Kafka zum Erzähler bewegen und auch, obwohl Kafka sie doch erst erfunden hat, zu Stendhal, der Erzähler begegnet dem heiligen Georg, nachdem er ihn zunächst auf Bildwerken alter Meister bewundert hat, in überraschender Reinkarnation im deutschen Konsulat zu Mailand, er spürt wiederholt zwei ihm offenbar nicht wohlgesonnene Augenpaare auf sich gerichtet, in Hotels und Museen trifft er auf die eine oder andere Weise beeindruckende Empfangsdamen, in den Zügen wunderschöne weibliche Mitreisende, im Bus Kafkas verdoppelten Doppelgänger und so fort, er sieht ein weißes türkisches Taubenpaar, das mehrmals hintereinander mit einigen wenigen klatschenden Flügelschlägen steil über die Wipfel sich erhebt, eine kleine Ewigkeit stillsteht in der blauen Himmelshöhe und dann, vornüberkippend mit einem kaum aus der Kehle dringenden gurgelnden Laut, herabsegelt: was ist bei all dem das übergreifend behandelte Thema? 

Als unverfälschtes literarisches Werk ohne ersichtliches Sujet traité müßten die Schwindel.Gefühle vor allen anderen Werken des Dichters geschätzt werden, da es aber den wenigsten Lesern um Literatur und den meisten um Themen geht, bei denen sie mitreden können, ist das naturgemäß nicht der Fall. Als Chef-d'œuvre wird gemeinhin Austerlitz angesehen, ein ordentliches Buch, fast ein Roman, mit einem ordentlichen Thema, mehr noch, mit dem Thema schlechthin, dem Holocaust. Einige haben den Dichter wegen der würdigen Behandlung dieses Sujets zum Prince littéraire de la Shoah ernannt, und man hat ihm auch unterstellt, mit seinem gesamten Schaffen habe er nichts anderes angestrebt als eben diese Ernennung. Wieder andere sind verwirrt von der ungewöhnlichen Behandlung des Großen Themas: Man müsse die Hälfte des Textes, gut zweihundert Seiten, hinter sich bringen, um auch nur auf die Spur eines Gehalts zu treffen, bis dahin Reise- und Begegnungsbanalitäten, die die einzige Funktion haben, die Seiten zu füllen. – Was aber hat den Dichter veranlaßt, überflüssige Seiten zu füllen? Richtig ist, Reise- und Begegnungsbanalitäten, wenn man sie denn so nennen will, die Empfangsdamen an den Rezeptionen der Hotels und den Kassen der Museen, die Mitreisenden in den Zügen und Flugzeugen, die Bahnhöfe und Flughäfen zählen bei Sebald zu den unverzichtbaren archétypes, où les mots prennent leur sens et leur vie. Austerlitz ist nicht anders zu lesen als die Schwindel.Gefühle, dann füllen sich die vermeintlich leeren gut zweihundert Seiten wie von selbst. Grundsätzlich ist auch die umgekehrte Lesart möglich, daß nämlich die kaum mehr als zweihundert Seiten starken Schwindel.Gefühle leer und ganz ohne Spuren eines Gehalts sind. Trifft man auf diese Einschätzung, ist allerdings, wie der Volksmund ganz richtig sagt, Hopfen und Malz verloren.

Ein anderer Kritiker, weniger radikal, merkt an, der Holocaust eigne sich nicht für embroidery. Man kann dem die Zustimmung nicht ganz versagen, gilt doch für das Holocaustthema die erste Position des Dekalogs: Ich bin das Thema aller Themen, du sollst nicht andere Themen haben neben mir. Das Große Thema erdrückt alles unter seiner Last, die umgebende Motivflora verdorrt oder, richtiger noch, sie wird von der themenbewußten Leserschaft als Unkraut gejätet. War der Dichter gut beraten, mit den Mitteln seiner Prosa, die ihren Kunstcharakter keinem Sujet traité opfert, das Große Thema anzugehen?

Sonntag, 2. Juli 2017

Arglose Leserinnen

Beim Gurkenschneiden


In einem schönen Absatz seines Buches D‘autres vies que la mienne kommt Emmanuel Carrère auf die arglosen Leser zu sprechen. In Vorbereitung auf seinen, des Autors, Besuch hatte man der Mutter seines Schwagers L’adversaire zu lesen gegeben. Im gewohnten Pariser Umfeld hatte niemand Anstoß an dem in diesem Buch geschilderten Horror genommen, man hatte darin einen Beweis seines Mutes gesehen und es ihm als Verdienst angerechnet. Les lecteurs plus candides aber, wie die alte Frau, der Carrère, dem die aufrichtige Teilnahme am Todesfall in der Familie anzusehen ist, freundlich und wohlerzogen, wie er ist, gerade beim Gurkenschneiden hilft, können nicht anders, als etwas Verdrehtes (tordu) in ihm zu vermuten, etwas Unglückliches, en tout cas quelque chose chez lui qui ne va pas. Und wie, so fragt sich Carrère, sollte er diesen Lesern, die offenbar vertrauenswürdiger sind als seine Pariser Kumpane, nicht recht geben. Der verquere Autor mit seiner arglosen Leserin beim gemeinsamen Gurkenschneiden, eine schönere literarische Symbiose ist schwer vorstellbar.

Der von Schwindelgefühlen geplagte Dichter, der am liebsten mit arglosen Kollegen wie Robert Walser und Ernst Herbeck verkehrt, wird auch unter den Lesern die arglosen bevorzugen. Luciana Michelotti ist die allererste überhaupt, die, über seine Schulter hinweg, seine Prosa zu Gesicht bekommt. Ohne Zweifel hat er ihr ein Exemplar des fertiggestellten Werkes zugesandt. Vielleicht im Winter darauf hat sie, die während der Saison lückenlos an der Rezeption und an der Theke zu wirtschaften hatte, Zeit für die Lektüre gefunden, geäußert hat sie sich nicht dazu. Auch sie mag den seltsamen Gast, freundlich und wohlerzogen wie er zweifellos war, gleichwohl un poco torto gefunden haben. Nach dem Tode der Mathild Seelos war dem Dichter ihre die hinterlassene Bibliothek zugefallen, die ihm immer wichtiger geworden war. Neben Literarischem aus dem letzten Jahrhundert und einem türkischen Lexikon samt kleinem Briefsteller gab es zahlreiche religiöse Werke spekulativen Charakters, Gebetsbücher aus dem 17. und frühen 18. Jahrhundert mit zum Teil drastischen Abbildungen der uns alle erwartenden Pein. Zum anderen fanden sich mit den geistigen Schriften vermischt mehrere Traktate von Bakunin, Fourier, Bebel, Eisner, Landauer sowie der biographische Roman von Lily von Braun. Wo mag er die Schwindel.Gefühle eingereiht haben, um die Mathild zu seiner posthumen Leserin zu bestellen? Daß er sie eingereiht hat, steht außer Frage, nicht außer Frage steht allerdings, ob die Mathild wie die Luciana, bei der wir allen Grund für diese Annahme haben, zu den arglosen Leserinnen zu rechnen war, wir wissen einfach zu wenig über sie.